Wer sich nun über die kreative Problemlösungs-Idee des kleinen Mädchens freut, der möge nun bitte nicht zu sehr erschüttert sein angesichts dessen, wie die Geschichte weiter ging.
Die Lehrerin war nämlich offenbar nicht erfreut über soviel Einfallsreichtum - oder Ungehorsam? abweichendem Verhalten? - denn ihre Reaktion war ein "trauriger Smileystempel auf das nicht fertige '5'-Blatt, mit der Bitte, die Aufgabe noch nachzuholen, da müsse sie jetzt durch und bald - wenn alle fertig wären - würden sie ja auch größere Zahlen schreiben...".
Ich möchte zuerst eine Frage stellen: Warum???
Und bitte: ich wünsche keine sarkastische, fatalistische, resignative oder pessimistische Antwort (davon habe ich selbst genug)! Ist hier jemand - vielleicht ein Lehrer oder jemand vom Schulamt oder einer, der die Bildungspläne entworfen hat, oder sonstwer, der für den Sinn unserer Schulen plädiert - der mir diese Frage ernsthaft beantworten kann und will (und gerne auch weitere)?
Ich habe in einem anderen Beitrag einmal eine Frage gestellt, die hier auch wieder passend ist:
Was hat das kleine Mädchen vermutlich aus dieser Erfahrung gelernt?
Welche Botschaften erhält sie durch die Rückmeldung der Lehrerin?
"Deine Idee zählt nicht!" (= "Du zählst nicht"?)
"Du hast das falsch gemacht!" ("Und das darf nicht sein.")
"Ich sage, wie lernen funktioniert! Ich weiß besser, wie man lernt!"
"Fehler machen wird bestraft!" (sei froh, dass es nur ein Smiley und keine Note war!)
"Ich bin enttäuscht." (trauriges Smiley?)
"Es gibt nur einen Weg und du musst dass tun, du hast keine Wahl!"
(Ist das wirklich wahr? Soll das so sein?)
Was wird geschehen?
Was geschieht mit und in ihr, wenn sie sich fügt?
Was geschieht, wenn sie dies nicht tut?
Was geschieht (mit ihr), wenn sie eines Tages sagt:
"Also, nee, nicht mit mir! Nein, danke! Ich will so lernen, wie ich will - tschüss!"
Und was geschieht dann mit ihren Eltern, sollten sie so weitsichtig und mutig sein, ihrer Tochter in ihrer Willensbekundung ernstzunehmen und ihr auf ihrem Weg beizustehen?
Was ist denn das Ziel?
Schnellstmögliches Abtöten jeglicher eigener kreativer Impulse?
Demotivation (damit wir dann "Motivationsstrategien" anwenden können)?
Konformität?
Abhängigkeit vom Urteil anderer?
Mittelmaß?
Gleichschaltung (soll das was mit Chancengleichheit zu tun haben)?
...?
Wozu?
Und in wessen Interesse ist das Ganze?
Wer ernsthafte Antworten (oder weitere Fragen) hat, ist herzlich eingeladen, sie hier loszuwerden.


